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Wirtschaftlich betrachtet

So wenig Betriebswirtschaft
wie möglichMacht bloß nicht alles, was in den BWL-Büchern steht!

Von Prof. Dr. Georg Oecking

Der Planungs- und Kontrollapparat breitet sich im Unternehmen gerne wie eine Krake aus. Mit jeder zusätzlichen Planungsrunde, jedem neuen Zielsystem und jedem weiteren Abstimmungsverfahren werden mehr Mitarbeiter eingebunden. Das bindet Kapazität, auch in den Fachbereichen. Wer schlanke Prozesse verlangt, muss deshalb die Betriebswirtschaft im eigenen Unternehmen einbeziehen.

In den BWL-Büchern stehen viele brauchbare Verfahren für unterschiedliche Aufgaben. Wer das alles einführt, beschäftigt sein Unternehmen vor allem mit sich selbst. Fachkenntnis zeigt sich auch darin, eine Methode wegzulassen oder eine Untersuchung rechtzeitig zu beenden. Dafür muss klar sein, welche Information für eine Entscheidung gebraucht wird und was zusätzliche Genauigkeit noch bringt.

Wenn Betriebswirtschaft zur Absicherung wird

Es gibt eine Inflation von Reporting, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Business Cases. Eine Entscheidung wird vorbereitet, dann noch einmal geprüft und für die nächste Runde neu aufbereitet. Für zusätzliche Fragen werden weitere Rechnungen verlangt. Irgendwann geht es vor allem darum, die Entscheidung so gründlich abzusichern, dass hinterher niemandem ein Vorwurf gemacht werden kann. Nur lässt sich unternehmerische Unsicherheit nicht wegrechnen. Auch nach dem dritten Business Case muss jemand die Verantwortung übernehmen.

Besonders fragwürdig wird es, wenn die Entscheidung längst feststeht und die passende Rechnung nachgeliefert wird. Dann werden Annahmen so lange angepasst, bis das gewünschte Ergebnis herauskommt. Mit dieser Alibi-Rechnung wird eine längst getroffene Entscheidung nachträglich begründet. Aus der Abweichungsanalyse wird Rechtfertigungsjournalismus, wenn auf vielen Seiten erklärt wird, warum ein Ziel verfehlt wurde, und daraus nichts für das weitere Handeln folgt.

Controlling und Business Intelligence brauchen eine klare Arbeitsteilung. Bereiten beide dieselben Daten auf, erstellen eigene Auswertungen und stimmen anschließend ihre unterschiedlichen Zahlenstände ab, entsteht Doppelarbeit. Die Geschäftsführung muss die Aufgaben und Zuständigkeiten klären und für eine gemeinsame Datengrundlage sorgen. Zwei Abteilungen sind keine Begründung dafür, dieselbe Arbeit zweimal zu machen.

Schlank gilt auch für die Verwaltung

Wenn zum Jahresende noch schnell Geld ausgegeben wird, damit das Budget ausgeschöpft ist, steuert das System am Bedarf vorbei. Eine notwendige Ausgabe allein wegen eines leeren Budgettopfs abzulehnen, ersetzt ebenfalls keine wirtschaftliche Beurteilung. Werden selbst Kleinbeträge durch mehrere Freigabestufen geschickt, gehört auch der Aufwand dieser Kontrolle in die Rechnung. Budgets sollen einen wirtschaftlichen Rahmen setzen. Sie dürfen den Verantwortlichen das Denken nicht abnehmen.

In Zeiten von KI lohnt sich ein neuer Blick auf Zero-Based Budgeting für die internen Bereiche. Benötigte Leistungen, ihr Umfang und die dafür nötigen Ausgaben werden von Grund auf begründet. Dabei gehören auch andere Arbeitsweisen mit KI auf den Tisch. Was im Vorjahr im Budget stand, hat keinen Bestandsschutz.

Auch die Betriebswirtschaft muss sich rechnen.